Gepostet von Chriz in Gastartikel | 2 Kommentare
Cremefine – Voll fett Mama!
Dieser Artikel stammt von Raoul Haagen. Wer mehr von ihm lesen will, findet ihn unter seine Internetseite GoodNewsToday und seinen Twitter Account goodnewstodayde Viel Spaß!
Ich gebe ja zu, dass ich mit einer Sezierung dieses Werbespots eher spät dran bin. Er liegt mir aber so am Herzen, das ich nicht anders kann und Euch an meiner Verwirrung teilhaben lassen muss. Eines vorab, das Produkt „Cremefine“ kann nichts für diesen Spot, in unserer Bordküche wird es von unserer Chefköchin, formerly known as Ehefrau, gern angewendet.
Der Spot spielt sich im Esszimmer eines schätzungsweise 200 qm großen Hauses im Designerstil ab. Der Tisch ist schön dekoriert mit Tischdeckchen und Blumen. Der etwa 12- jährige Sohn des Hauses kommt die Treppe herunter. Um seinen Hals baumeln ca. 3 übergroße Ketten, die klar machen sollen, dass der Junge so was wie ein Gangster-Rapper darstellen soll. Er hat ein Baseball-Cap auf und die Hose hängt auf halb acht, wie man im Norden zu sagen pflegt. Jetzt kommt Mutti ins Spiel. Elegant und tippitoppi geschminkt, die Ruhe selbst und vom Alter her Ende zwanzig. Fürsorglich nimmt sie ihrem Testosteron- Sprössling das Cap ab. Die Familie will Essen wird einem sofort klar; wie liebvoll und aufmerksam. Er quittiert dieses uncoole Bemuttern mit Ablehnung. Nun noch zu der etwa 8 jährigen Schwester, die sich an der Stirnseite plaziert hat. Mit zwei Zöpfen ausgestattet macht sie einen gelangweilten Eindruck und reibt sich die Augen. Ihr Bruder hat unterdessen auf der anderen Seite Platz genommen.
Mutti fragt nun :“Na, wie hat es euch geschmeckt?“. Der Junge antwortet :“Voll fett Mama“, daraufhin die Schwester „Mama sagt, das ist gar nicht fett“. Das geht jetzt drei mal hin und her „Voll fett“ und als Echo „gar nicht fett“. Mutti guckt wie beim Tennismatch mal nach links und dann nach rechts zu den Kleinen und lächelt dabei versonnen.
Dann die erlösende Frauenstimme aus dem Off „Cremefine, nur halb soviel fett wie Sahne…“
Dieser Spot wirft neben einigen Fragen nach Sinn und Unsinn der Darstellung eine zentrale Frage auf: Wer ist die Zielgruppe des Werbespots?
Ist es…
a) …die Mutter
Also die Zielgruppe der Frauen zwischen 20 und 40, die ernährungsbewusst sind, mit ihrer Figur tendenziell unzufrieden und finanziell ohne Not dastehen. Die zudem Cremefine ihren Liebsten anbieten, da sich daraus so was wie eine Unterhaltung ergibt und das die soziale Bindung in der Familie stärkt. Die ihren Kindern den nötigen Freiraum zur persönlichen Entfaltung gibt und froh ist, dass die Kleinen überhaupt noch am Tisch sitzen. Cremefine als pädagogisches Erfolgsrezept gegen mütterlichen Autoritätsverlust.
b) …der Sohn
Die Zielgruppe der Jugendlichen zwischen 10 und 17, die ja nach traditioneller Definition noch keine Werbezielgruppe ist. Die fängt nämlich bei 19 an und hört bei 49 auf. Anyway, der Sohn wird jetzt nur noch nach Cremefine verlangen, weil das voll fett ist, also echt geil. In seiner Peer-Group erhält er dadurch einen höheren Status und ist bei den Mädels voll angesagt. Die Supermärkte werden Cremefine nun als Quengelware an der Kasse anbieten und Cremefine alias Rama kann dann mit echt coolen Ketten ins Merchandising einsteigen.
c) …die Tochter
Wie unter b) beschrieben eigentlich auch keine Zielgruppe. Hier werden aber die Anlagen für eine kalorienbewusste Ernährung gelegt. Präbulimische Ernährungsgewohnheiten werden manifestiert und im weiteren Leben ausgebaut. Ich sehe auch schon tolle Vermarktungsmöglichkeiten mit der Musikindustrie. Jede neue Justin Bieber CD wird mit Cremefine zusammen verkauft. Cremefine als Produkt von der Wiege bis zur Barre, gelernt ist gelernt. Eine lebenslange Kundin, was will man mehr.
Alle genannten Zielgruppen überzeugen mich nicht wirklich. Aber vielleicht habt Ihr ja eine Idee. Schreibt einen Kommentar und erklärt mir den Werbespot.
Tags: Cremefine, Gastartikel


Ich glaub der hat gar keinen tiefergehenden Sinn der Werbespot.
Lustig ist er ja irgendwie und man redet darüber, von daher hat sich das für die Firma ja bereits gelohnt.
Der Junge findet dieses Cremefine fett, also geil, lecker, was weiß ich. Die Tochter und die Mutter essen es, weils lecker ist und OHNE Fett. Ob das jetzt Sinn macht, weiß ich auch nicht.